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Inspirationen, Gedanken, Erkenntnisse, Geschichten und Einblicke rund um das Pilgern.
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Es ist der letzte Samstag im April 2026. Susanne, eine liebe Freundin, bringt mich mit ihrem PKW auf den Gipfel des Freudenberges, zum Stadtteil Wiesbaden -Dotzheim gehörend. Genau hier befindet sich Schloss Freudenberg. Ein schmaler Weg, rechts und links gesäumt von kleinen Buchenwäldchen, führt unmittelbar zu dem Anwesen. Der Himmel erstrahlt in seinem schönsten Blau und die Sonne lacht. Kurzentschlossen betrete ich den lichten Wald und tauche kurz ein in das Herz von Mutter Erde. Mir ist ein wenig mulmig zumute. Euphorisch meldete ich mich im vergangenem Jahr zu einer Fortbildung zu dem Format Sprechen & Zuhören, an. Entwickelt und ins Leben gerufen von der Organisation MEHR DEMOKRATIE. Mittlwerweile sind ein paar Monate vergangen und ich begann zu zweifeln. Nicht an dem Format, sondern an mir selbst. Ich fragte mich, ob meine Moderationserfahrungen ausreichend seien. Meldete mich kurzfristig ab und entschied dann, doch teilzunehmen. Meine Anmeldung hatte ihren Grund und jetzt springe ich ins kalte Wasser. Es ist ja nicht das erstemal. Entschlossen laufe ich auf das Schloss zu. Grazie und Anmut strahlt es aus und mir scheint, als riefe es schon aus der Ferne: : Ich bin da, den Menschen zu dienen. Ich folge dem Hinweis zum Veranstaltungsort.

Dieser führt über eine sogenannte Himmelsleiter. Uijuiui. Für Menschen mit Höhenangst beginnt hier schon die erste Herausforderung.

Behende erklimme ich die Stufen der filigranen Metalltreppe und betrete, angekommen in der obersten Etage, den Empfangsraum und mit mir viele Gleichgesinnte. Letztendlich sind wir eine Gruppe an die 100 Menschen, im Alter von Mitte zwanzig bis schätzungsweise 70 Jahren. In einem großen, luftigen Saal sind 3 Stuhlreihen, in Form eines U, vorbereitet. Ich wähle einen Stuhl nah dem großen Fenster, dessen Flügel weit geöffnet sind und den Blick auf den Wald und dem Weg zum Schloss freigeben.

Die Inhaberin des Schlosses begrüßt alle Teilnehmenden und gibt sehr anschaulich und lebendig die Geschichte des Anwesens preis. Gebaut wurde es 1904 von zwei Verliebten, Künstler. Sie empfingen Freunde und veranstalteten Lesungen, Ausstellungen und Konzerte. Der Saal, in dem wir uns befinden, bildete die Stuben für die Dienstboten. Später wurde es zum Hotel, dann zum Kindererholungsheim, bevor es zuletzt von Soldaten bewohnt wurde.

Es folgte ein Leerstand, Verfall und Verwahrlosung, bis vor 30 Jahren ein Wanderzirkus einzog und es besetzte mit einer guten Idee. Inspiriert und angestossen von Hugo Kückelhaus, Pädagoge.

" Was das Schloss ist? Die Menschen, die hier sind, Du und all die anderen. Was das Schloss hat? Bienen, einen Zukunftswald, Seminarräume und einen Garten der Kinder, ein Wasserwerk, eine Schlossküche, Werkstätten, Baustellen, Theaterbühnen, 120 Erfahrungsstationen, einen Waldkiosk, Kompost... Freiräume. „Das ganze Unternehmen hat den Charakter eines Gesamt- Theaters, in dem der Besucher zugleich und in einer Person, Autor, Regisseur, Schauspieler und Zuschauer ist = Utopia“ ( Text Webseite Schloss Freudenberg)

  • Hugo Kükelhaus

Das Schloss und der dazugehörige Park bilden eine Ensemble,eine Einheit, gewidmet dem Gedanken des Erfahrungsfeldes zur Entfaltung der Sinne und des Denkens. Die Wahrnehmung im JETZT beobachten und aus der Beobachtung schöpfen zur Gestaltung meines Seins, bilden den Kerngedanken. Mir wird klar, an was für einem inspirierenden Ort die Fortbildung stattfindet und ich spüre meine Begeisterung für den hier innewohnenden offenen und kreativen Geist. Dies lässt mein Herz höher schlagen.

Im Schlossgarten steht ein blauer Omnibus, so erfahren wir. Es ist jener, mit dem Menschen in den 80 Jahren im Sinne - direkter Demokratie - durch Deutschland tourten. Seit 25 Jahren bereichert er im Gedenken an die damalig geleistete Pionierarbeit den Schlosspark.

Zurück zur Geschichte des Schlosses: Eine Hürde gab es vor 30 Jahren. Den Initiatoren war es untersagt, dort einzuziehen und zu leben. Jemand gab ihnen den Hinweis: Holt die Bienen ins Schloss, dann gibt es einen Grund,dort zu wohnen. Und so geschah es. Nach dem Einzug der Bienen folgten seine Besitzer.

Wie der Fortbildungstag endete...? Leichtfüssig.

Am Vormittag durchlebten wir das Format erneut- in kleinen Gruppen zu je vier Personen. Das Thema lautete: Wie geht es dir mit der Partei AFD? Es gab für jeden von uns 3 mal 4 Minuten Zeit, darüber in der Kleingruppe zu sprechen. Die Aufgabe der Zuhörenden war ZUZUHÖREN. Nicht mehr, nicht weniger. Keine Kommentare, Bewertungen, Ergänzungen; keine Zustimmung in Form von Mimik oder Gestik. Nur Zuhören.

Am Nachmittag galt es dann für Jedweden, das Format zu moderieren.

Dafür standen Jedem 30 Minuten zur Verfügung.

Und dies gelang, dank der Menschen des Teams - MEHR DEMOKRATIE-, die es vermochten, eine entsprechende Atmosphäre der Wertschätzung, des Respektes, des Gleichklangs, der Heiterkeit und Einfachheit zu gestalten.

Vielen Dank an das Team !

Warum ich an der Fortbildung teilnahm? Weil meine eigenen Erfahrungen, die ich mit diesem Format machte, mich überzeugten. Ich fühlte mich nach 12 Minuten Redezeit, darüber, wie es mir gerade mit einem herausforderndem Thema geht, wie erlöst, befreit und entspannt. Es war, als habe sich in meinem Inneren ein Raum geöffnet und Platz geschaffen für neue Sichtweisen und Perspektiven. Einfach dadurch, dass ich etwas ausgesprochen habe. Das Format wirkte wie ein Katalysator. Bei Themen, die inhaltlich schon beim darüber Nachdenken, Emotionen hervorrufen.

Und wie mir geht es sicherlich vielen Menschen. Es gibt aufgrund der derzeitigen Situation weltweit Themen, die uns herausfordern. Die wir mit einer Meinung belegt haben. Dies wird in Diskussionen dann schnell herausfordernd und wird oft auch als trennend erlebt. Wenn 3 andere Menschen nur zuhören, ohne zu bewerten etc. geschieht etwas......ich nenne es Heilung. Sein zu dürfen, ohne beurteilt, angegriffen und oder bewertet zu werden. Und, ich zeige mich den Anderen, blankmütig. Mache mich verletzlich, werde dadurch greifbarer und verständlicher für mein Gegenüber. Und es bildet sich leise ein Band der Ver...bundenheit, gleichwohl unterschiedlicher Meinung.

Möchtest du mehr wissen zu diesem Format?

Es selber anwenden in einer Gruppe?

Schreibe mir gerne.

https://www.pilgerinderneuenzeit.de/kontakt/

Ute


Pilgerin der Neuen Zeit

© 2025 Ute Maria Büenfeld / Schreibe mir