Catherine wird ernst. Es ist Dienstag Abend und wir befinden uns gemeinsam im virtuellen Raum. Sie betritt ihn aus ihrer Heimat, unweit von Bethlehem; ich wiederum aus der Stadt Bonn heraus. Traurig schaut sie mich aus ihren braunen Augen an.
Wir sind weniger als 1% Christen hier im Westjordanland. Die Christen verließen und verlassen das Land, aufgrund der über Jahrzehnte anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen.
2023 bei einer Jubiläumsveranstaltung, ausgerichtet vom Jerusalemsverein in Berlin, sagte der damalige Bischof Ibrahim Azar. " die christliche Präsenz im Westjordanland ist gefährdet."
Und dies auch aufgrund der zermürbenden Situation für die Menschen,die dort leben und mit den Auswirkungen der geschaffenen Grenzen in Form von Mauern, Zäunen und kontrollierten Grenzübergängen tagtäglich konfrontiert werden. Lange Autofahrten, um von A nach B zu kommen, werden täglich in Kauf genommen. Die Tagesplanung beginnt damit, zu recherchieren, welche Grenzen passierbar sind und welche geschlossen. Egal, wohin sie fahren. Ihre Wege sind große Umwege, verbunden mit einem immensen zeitlichen Aufwand. Und jetzt aktuell gibt es kein Benzin mehr. Die letzte Füllung bekam Catherine aus dem Vorrat ihres Sohnes, um mit dem Auto von Beith Sahour nach Bethlehem zu fahren. ebenso gibt es in der gesamten Westbank kein Gas mehr. Bunker - Schutzräume,wie sie für die israelische Bevölkerung zugänglich sind, gibt es im Westjordanland nicht.
Dennoch, da ist die Hoffnung. Catherine lächelt. Sie schloß sich vor mehr als einem Jahr der Organisation Women of the Sun ( Standort Bethlehem) an. Gerade in der letzten Woche erlebte sie einen sehr kraft,- und hoffnungsvollen Barfußmarsch in Rom.
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Einige Frauen der Organisationen von Women of the Sun und Women Wage Peace, angereist aus dem Nahen Osten gingen gemeinsam durch die Straßen von Rom, begleitet von nahezu 1500 Menschen. Musik, Gesang, berührende Reden und Kerzenlicht trugen dazu bei, zu einem Gefühl der Solidarität und Gemeinschaft. Ein Gefühl, gesehen und unterstützt zu werden, von Menschen, ausserhalb des Nahen Ostens.

In 30 Ländern weltweit gingen zeitgleich und auch zeitversetzt Menschen barfuß, innerlich verbunden mit den Frauenorganisationen des Nahen Ostens und deren Anliegen, zusammengefasst im Aufruf der Mütter.

Vorbild für die beiden Organisationen sind die Frauen in Irland. Sie spielten eine entscheidende Rolle im Friedensprozess in Nordirland. Es gab eine Graswurzelbewegung und eine eigene politische Frauenpartei, die später direkt am Karfreitagsabkommen mitschrieben. 20 Jahre Einsatz für den Frieden trug seine Früchte mit dem am 10. April 1998 beschlossene Karfreitagsabkommen.
Noch einmal zurück zu Catherine. Sie wirkt gleichmütig und ich frage sie, wie ihr das gelingt. Sie erklärte, dass die lange Zeit in dieser Situation zu leben, dazu geführt habe.“
Nachdenklich spricht sie weiter. Jetzt über Frieden zu sprechen wird schwer...nachdem vor ein paar Tagen in der Knesset das Gesetz zur Bewilligung der Todesstrafe genehmigt wurde. Ich stimme ihr innerlich zu. In den Medien sah ich ein Foto, aufgenommen nach der Abstimmung in der Knesset. Mit Schaumwein wurde " auf diesen Sieg hin" angestossen.
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Ute Maria Büenfeld